Mein erster 100km-Lauf beim ZUT

Servus #runhappy-Crowd, liebe Freunde, Familie, Blog-Laufende…

 

Knapp 2 Tage heimisches „Sackenlassen“ hat es gebraucht, um mich etwas zu sortieren… Warum?! Weil das Maazelchen immer noch völlig geflasht ist von seinem letzten Urlaubs-Wochenende.

 

Ich habe die 100km und 5420hm (Ja, das bedeutet NUR bergHOCH) vom ZUT besser hinbekommen, als ich es selbst je für möglich gehalten hätte –

meine Zielzeit um nahezu Punkt 2:00 Uhr in der Nacht betrug netto 18:42:01h !! NUR GEIL !!

 

 

Gut, quasi genau 7:30h nach dem Sieger, Trail-Virtuose Philipp Reiter, aber eben auch 7:00h VOR dem Ziel-Schluss in den Grainauer Morgenstunden… In meinen naivsten Träumen war vielleicht mal vage das Limit „ca. 20 Stunden“ eingebrannt, aber an sich war Ankommen erst mal absolutes Primärziel. Schließlich habe ich Base- und Supertrail als Übung direkt übersprungen… Nein, ich wollte direkt die magische 100. 🙂

 

Aber zurück auf Anfang:

 

*HIER* ein Typ, für viele etwas freakig und leicht einen an der Klatsche, seit 8 Wochen stolzer Papa und mit sage und schreibe EINEM Ü30km-Lauf seit Anfang Dezember 2012 – nämlich dem Hawaii-Marathon – und nur EINEM Ultra, dem 63er-Röntgenlauf vom letzten Jahr… quasi auch verjährt…

 

Rumpelhüfte, anderer Sport, andere Prioritäten, andere Läufe, eigentlich mehr Spaß am Biken… Gut, ToughGuy, Braveheart-Battle und Harzer Keiler sind keine läuferischen Kindergeburtstage, aber eben auch keine Marathon-Veranstaltungen mit Distanzen von 42,195km oder gar mehr in Richtung ULTRA…

Zwar hatte ich schon mal das MTB-Festival von Willingen mit ähnlicher Gesamt-Höhe und 122km in ca. 7h bestritten und 5mal den P-Weg wegpedaliert, aber ansonsten waren bis dato ein 8-stündiger Spinning-Marathon und ein Südpol-Casting des ZDF meine längsten Sportwettgeschichten „am Stück“.

 

Und *DORT* wartet was?! Ein 100km-BRETT mit über 5000 Höhenmetern… Mit Schneefeldern, dunstigem Nebel, ekelhaftem Schlamm, fluffigem Geröll, rutschigen Holzstufen und Steinen so hoch wie Crossfit-Kisten, engen Trails und zarten 3-4 großen Zipfeln im sagenhaften Wettersteingebirge, die so erscheinen, als würde man im Zick Zack nie oben ankommen…

 

Naja – Als Mensch mit dem Credo NICHT REDEN – MACHEN!!… denkt man glücklicherweise nicht so viel über die Dinge nach, die gegen derartige Wettkämpfe sprechen könnten… wie z.B. 86kg Mutanten-Gewicht, je Seite eine Kreuzband-Plastik oder die im Trainingsplan zu wenig zurückgelegten Anforderungen wie „Lauf-ABC“ (Das hasse ich!) und/oder gähnend lange Distanzen bzw. die hier zu Hause nun mal nicht herbeizauberbare HÖHE…

 

Also ran ans Werk *mit ohne Denken* 😉

 

Meinen Freund Kai freitags morgens um 6 Uhr ins Auto geladen ging die Reise plötzlich nach Navi sehr gewohnte Wege… Wir landeten nämlich wie schon so oft über A45, A3 & A7 am Grenztunnel Füssen für die kurze Stippvisite in Österreich. Nur das Abbiegen gen Grainau ab Lermoos war für uns (sonst immer) Fernpass-Fahrer neu. Lange Rede – kurzer Sinn… die „Tanke“ nach dem Tunnel hat jahrelange Tradition auf dem Weg zu unseren diversen Fun-Trips ins Ötztal. Also kurzerhand zwei Six-Packs Zipfer Märzen geladen und weiter gings… 🙂 Zum Wohl…

 

http://www.youtube.com/watch?v=_g1Vske0HGE

 

 

Bei Ankunft in Grainau nach knapp über 700km wurde die urige Pension bei einer liebenswerten älteren Dame mittags schnell bestückt mit unserem Zeug und wir suchten die ZUT-Expo & spätere Pasta-Party auf… Dort traf ich „Hans & Franz“ – soll heißen zig Bekannte, teils aus dem eigenen Gettingtough-Team, teils von bekannten Ausrüstern und Material-Gurus, aber vor allem liebgewonnene Menschen, die auch ihren Teil zum Projekt ULTRA in meinem Kopf beigetragen haben. Nicht zuletzt durch die Keiler-Gaudi beim Stirnlampen-Lauf in der frühen Nacht oder die „Stöpsel“-Hilfe in Sachen Trinkblase… Jeweilige Personen wissen, was ich meine… 🙂 Und auch Michele`s Traildorado-Flyer gingen in gute Hände…

 

Nach dem für mich obligatorischen Zurechtlegen der Wettkampf-Wäsche und einem Schlummi-Bierchen ging es wohlig in die Heia… Mein Begleiter Kai überraschte hier mit Akribie beim Einmarkieren der topografischen Karten für den Folgetag… Im Gegensatz zu mir – zu viel Ballast im Kopf, sich so sehr mit Streckenprofilen zu befassen… 🙂 Also Gute Nacht…

 

Am Wettkampf-Morgen lief sehr früh alles nach Plan: 5:00 Uhr quasi ohne Wecker wach, aber gut geschlafen für 4-5 Stündchen… Käffsken, kleines Frühstück, der erste Mini-Gebrauch Vaseline in meinem ganzen Leben, ein perfekt gepackter Rucksack und auf gings… Noch vor dem Start traf ich wieder sehr liebe vertraute Gesichter… alle waren gut drauf… Die ersten Fotos wurden gemacht, den Reglement-CheckIN überstand ich mit streberhafter Bravour.

 

 

Um 7:15 Uhr dann der Start! Herrlich… geiles Laufklima und direkt vor Kai`s Fotolinse an der Pension liefen wir hoch in die Wälder… Ab da landete ich wohl in dem Modus, den alle Ultra-Trailläufer mögen, sofern sie denn ähnlich geflasht waren, wie ich es noch immer bin…

 

Dazu will gesagt sein: Ich liebe die Berge! Mit meinen Jungs war ich schon hochalpin und seilfrei auf 3000m und mit meiner Frau, den Hunden und diversen Freunden waren wir sehr häufig auf vielen Pfaden zwischen 1200 und 2500m oder mehr unterwegs… Danke von Herzen für diese gute „Schule“…

 

 

Da kommt auch der Typ aus dem Pott ohne Höhenmeter-Training in Tritt! 🙂 Und sogar auf die Stöcke so was von „klar“… Habe ich die (von Schwiegerma geliehenen Walking-Leki`s) Dinger im Training nur 2mal eher stümperhaft getestet, lasse ich sie ab km 5 quasi für die nächsten 95km nicht mehr aus den Händen.

UPhill häufig bis fortwährend im Einsatz – DOWNhill dafür nahezu gar nicht und nur getragen.

 

Noch vor dem 2. Verpflegungspunkt traf ich wieder auf Schlammlauf-bekannte Gesichter. Matthias und Dominik, die dies` Jahr noch den TAR als Hilfsaktion laufen wollen, überholten mich mit kerngesunder Pace. Hier sortierte ich mich quasi noch gedanklich, ob ich latent so bergab laufen könnte mit den Haxen… Und der Kadaver sagte JA! 🙂

 

Aber plötzlich ein fieses anderes NEIN! Es scheuerte was am linken Innenschenkel… Aaaahhh – Die Short beiseite geschoben entdeckte ich eine große defekte Naht an der kurzen Lauftight in der Mittelschicht – Shit! Dagegen kann der Hosenstoff des anderen Beins jetzt unmöglich über 80km dran rumreiben… Also noch kurz zum V-Punkt und ein früher Tightwechsel auf 3/4… Ich war vermutlich der Einzige mit einem solchen Problem, weil ich von den Zuschauern fast entsetzt angeschaut wurde… oder sie waren enttäuscht, dass ich noch einen Slip getragen habe… 😉

 

An der Verpflegung habe ich noch ULTRA-Mentor Jürgen getroffen zum Smalltalk… Sehr geil… und weiter ging die Gaudi – mit einem fetten Lächeln die erste Ski-Piste hoch!

 

(Hallo??! HOCH!!!) *gg*

 

 

Und immerhin noch 5-6km weit, bis ich das erste Mal auf meinem „Bart“ lag… 🙂 Typisch… Ehrlich… beim Biken schon x-mal passiert und fast normal und bei Wander-Touren mit Freunden auch erprobt… aber hier?!? Auf Tempo?! AUA!! Eine Combo der Bergwacht deutete die Wegrichtung an und ich rutschte mit dem GTX auf der erstbesten Wurzel so fies weg, dass ich seitlich auf DER Hüfte landete und mir mein zum Glück eh taubes rechtes Schienbein gestoßen habe… Kurzes Fluchen, den Lehm von den Plörren gewischt und weiter… Sekunden später war ich wieder aufgeräumt…

 

Danach verging viel wie in Trance bei mir: Ein Highlight war der höchste Punkt des Rennens mit Matthias – mit Foto auf dem Mannigjöchl, meine Stürze 2 & 3 im schlammigen Nachgang der nachfolgenden Schneefelder sind fast schon wieder vergessen… Ich weiß nur, dass ich bergab teils fahrig und unkonzentriert „gerannt“ bin. Und auch mal von anderen dank meiner Geräusch-Kulisse die Frage aufkam, ob „alles ok“ ist?!

Aber es hat auch so was von gefetzt! Ich war im Gaudi-Modus pur! Rund getrampelt, den Kopf aus… So wie er`s kann… Fast nebenbei gab` meine Polar ihren Geist auf und die Startnummer, total verweicht, entwich mehrmals dem Nummernband… Na und?!

 

 

Vielleicht war ich nur so happy, dass ich das endlich mal durfte… wenn wir im Tirol-Urlaub gemütlich unterwegs sind, ist so was ja eher nicht drin… 🙂 Das zügige Downhill-trailen…

 

Dem Regen und dem Dunst folgten ab der Hämmermoosalm, wo mich schon wieder der fleißige Paparazzi Kai erwartete, endlich auch mal kurz die Sonne und die nächsten 15km vergingen für mich wie im Flug… Das Geläuf lag mir sehr… Das Scharnitzjoch mit immerhin 2048m war genau mein! Das hat gebockt… aber total…

 

Ja und zack` – stand ich plötzlich beim 50k to go – Schild und schaute erstmals demütig links und rechts etwas entspannt in die Berge… Kerr`, ist das schön hier! Und wir winzigen Trolli`s DÜRFEN hier unseren Spaß haben… Großartig!

 

 

Der Arzt bei km 55 begutachtete den strahlenden Maazel kaum und winkte rasch durch – Ich freute mich auch schon auf etwas anderes: Mein versprochener Anruf zu Hause!! 🙂 Jana merkte sofort, dass ich gut klinge und im Flow bin… Echte Liebe eben… Kuss an Anni und weiter…

 

Die Verpflegungsstellen passierte ich nun immer zügiger, weil ich fast nur Durst verspürte, wenn überhaupt… Rechts am Fuß reparierte ich eine 5D-Mark-große Blase mit einem entsprechenden Pflaster… Auch hier war ich blank naiver Erstanwender – und das Teil wollte auch am nassen Schlammfuß nicht wirklich halten.

 

 

Nach sehr fluffigen Lauf-Kilometern, die dem Pitztaler Gletschermarathon am Straßenrand ähnelten, versuchte ich, Höhe Leutascher Geisterklamm, die nunmehr EC-Karten-große Blase auf der linken Seite zu kitten. Dieses Vorhaben scheiterte gänzlich. Auch nass, aber auch zu groß und hauttechnisch zu umgeklappt… Autsch! Plan B: Nasse Socken aus (mitten im Wald) und 2 Paar Ersatzsocken (leider auch schon feucht) über die aufgelegten Blasen-Mopeds, die aber nicht wirklich gut saßen…

 

Der Schmerz blieb, aber mein „EGAL“ im Birnchen wurde immer größer und die Devise LÄCHELN gewann gegen alles… Im Kopf feierte ich einfach eine riesige Kirmes… Hmmmm – Ferchensee – malerisch… Herrlich hier… Unterwegs schöne Smalltalks mit Wibolt-Finishern oder anderen ZUT-Veteranen…
Dass ich am 8. V-Punkt fast an einem zu viel in Salz getunkten Stück Käse gefühlt erstickt bin, quittierte ich auch nur noch mit breitem Grinsen… 🙂

 

 

 

Und dann der letzte „Höcker“ ab km 85! Angekündigt war er von vielen Läufern unterwegs als der Hodenzieher überhaupt auf der Strecke… Zunehmende Dunkelheit, meine super grottige Stirnlampe und das gefühlte 14. Mal Knöchel-Umknicken kratzten mich nicht. Auch mit der Teelicht-Funzel auf dem Kopf komme ich bei V9 an – vorletzter UND quasi letzter Punkt, sich zu stärken…

„Kurz“ dazwischen lag noch ein 400hm-Leckerchen, das mich zunächst 1-2 Minuten schnattern ließ. Aber auch nur, weil ich plötzlich fror wie hulle.

Upppps – Kurz nach 23 Uhr gab ein anderer Läufer Auskunft – klitschnasse Sachen und außer der Hose und den Socken hatte ich an der Oberbekleidung nichts geändert… Warum auch?! Lief ja blendend darin… Und dann 2 Becher Coke statt warmen Tee?! Du Schwachkopf! Aber die verbliebene Vernunft wehrte das bibbernde Zittern ab. Langes Lite-Jäckchen raus aus dem Rucksack und auch mal kurz Handschuhe an für die wirklich letzten Höhenmeter… Ab dafür… und von oben an dann das Schild 10k to go… BÄÄÄMMM

 

Mir wird wieder warm ums Herz, ich lasse laufen… (nur die Beine!)

 

Deinen eigenen 63km-Rekord hast Du längst – jetzt ist SAVE, Du wirst das Ding passabel finishen! … gehe ich gedanklich durch… Nach V-10 sagte der Streckenposten „noch 4km Wald und 2km Straße“… Und FEUER! Mir selbst nicht ganz klar, wie diese Stempel (meine Haxen) nach der Distanz noch bei Laune waren und ich wegen der Dunkelheit nicht unweit davor auch mit Stöcken vorsichtiger wurde – machte ich noch mal Tempo, überholte einige, rutschte aber auch in einer Kurve links raus aufs Grüne und musste wohl endgültig damit leben, dreckig wie Sau anzukommen… aber es klappte… Auf der Straße wurde mir klar, dass ich unsere Pension kaum zur Kenntnis nahm und plötzlich in der Kurve war, wo uns der Semmel-Verkäufer noch freitags erzählt hatte, dass dort nachts viele falsch abgebogen waren in den Vorjahren… Ich bog richtig ab! 🙂

JAAAAA… Sekunden vor 2:00 Uhr… Besser als selbst erwartet und unterwegs doch hin- und her gerechnet…

FINISHE ICH meinen ersten 100er-ULTRA!!!

Was hat das geflasht! Was war der Kadaver gut drauf! Kein echtes Tief unterwegs… mit den Synapsendefekten alles prima! Und was für ein tolles Material von Brooks… Wirklich… Danke! Danke! Danke! Genauso Danke an Support-Ultra-Kai 🙂 Und an „zu Hause“… Und an jeglichen anderen Support per Mail, Handy, PN usw… Ihr seid so genial…

 

weitere Bilder folgen: Fazzebukk!

 

Zum Abschluss gab`s Bierchen! Lecker! Und nach Ankunft meiner beiden Harzer Freunde kurz nach mir und einer ausgedehnten heißen Dusche rief gegen 4:40Uhr das schlingende Heia-Bettchen…

Fazit: Mein härtester, aber gleichzeitig schönster Wettkampf im Leben!!

 

Noch einiges von dem Tag muss ich realisieren, viele Bilder reflektieren… Einfach traumhaft… Happy deluxe!! Und ein gutes Stück stolz…

 

Bleibt` am Ball und bewegt Euch… Egal wie lang oder weit… Hauptsache mit Spaß und Sauerstoff! 🙂 Auf bald… In Liebe – Euer Finisher Maazel

 

 

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